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Das Einzige, was in eurem Betrieb 0815 sein darf.

Was ist HACCP?

HACCP steht für „Hazard Analysis and Critical Control Points“ — auf Deutsch: Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte. Es ist ein gesetzlich vorgeschriebenes System, mit dem ihr Gefahren für Lebensmittel erkennt, sie an den entscheidenden Stellen im Ablauf beherrscht und diese Kontrolle nachweisbar dokumentiert.

Das klingt nach Behörde.
Im Kern sind es drei Schritte, die ihr in der Küche sowieso jeden Tag geht.

Stefan Wild Gründer von 0815 Zuletzt aktualisiert: ca. 8 Min. Lesezeit

20 Jahre Gastronomie — vom Kellner bis zum Geschäftsführer. Diesen Leitfaden habe ich so geschrieben, wie ich ihn mir als Betreiber gewünscht hätte: ohne Behördendeutsch, mit dem Blick auf den Schichtalltag.

0815 App: Übersicht der heute offenen HACCP-Aufgaben

Nachweis statt Ordner

Wer · wann · was — in der Schicht

Was bedeutet die Abkürzung HACCP?

H · A · C · C · P

Hazard Analysis and Critical Control Points — Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte

H Hazard Gefahr

Bakterien im nicht durchgegarten Hähnchen, ein Rest Spülmittel im Glas, ein Splitter aus einer angeschlagenen Fliese — alles, was ein Lebensmittel für den Gast gefährlich machen kann.

A Analysis Analyse

Einmal gedanklich durch die ganze Küche gehen — vom Wareneingang bis zum Teller — und schauen, an welchen Stellen so eine Gefahr überhaupt entstehen könnte.

C Critical Kritisch

Manche Probleme sind ernster als andere. Ist die Kerntemperatur beim Garen zu niedrig, überleben Keime — das lässt sich hinterher nicht mehr rückgängig machen.

C Control Kontrolle

Ein System, das euer Team im Alltag nutzt, um Probleme früh zu erkennen und zu beheben — bevor sie beim Gast landen. Der zu warme Kühlschrank beispielsweise oder abgelaufene Ware.

P Point Punkt

Der Punkt, an dem kontrolliert werden muss. Zusammen mit „kritisch“ ergibt das den kritischen Kontrollpunkt — kurz CCP, die Stelle, auf die auch ein Prüfer als Erstes schaut.

Zusammengenommen ist HACCP kein Regelwerk zum Abhaken, sondern eine Denkweise: die kritischen Stellen in eurer Küche kennen und dort verlässlich hinsehen — der Rest ergibt sich von selbst.

Drei Arten von Gefahren

Alles, was ein Lebensmittel unsicher machen kann, fällt in eine dieser Kategorien — mit typischen Beispielen aus der Küche.

Biologisch

Bakterien · Viren · Schimmel · Parasiten

Beispiel: Kühlkette unterbrochen — Salmonellen oder Listerien vermehren sich.

Dagegen: Temperaturen prüfen und dokumentieren.

Chemisch

Reinigungsmittel · Rückstände · nicht deklarierte Allergene

Beispiel: Spülmittelreste auf Geschirr oder Allergenverwechslung in der Vorbereitung.

Dagegen: Spülen nach Plan, Allergene klar kennzeichnen.

Physikalisch

Glas · Metall · Kunststoff · Steine · Insekten

Beispiel: Haare, Plastikteile von Verpackungen oder abgebrochene Metallstücke vom Gerät.

Dagegen: Sichtkontrolle am Lebensmittel, Verdächtiges sofort aussortieren.

Kurz zur Herkunft: von der NASA in die Küche

1960er NASA → 1993 Codex Alimentarius → seit 2004 europaweit Pflicht durch die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 → heute euer Betrieb.

Die ganze Geschichte

HACCP wurde in den 1960er-Jahren für die NASA entwickelt — sichere Astronautennahrung — und landete über den Codex Alimentarius (WHO/FAO) und die EU-Verordnung (EG) Nr. 852/2004 in der Gastronomie. Vom Imbiss bis Fine Dining gilt dieselbe Grundmethode.

  1. 1960er

    NASA

    Sichere Astronautennahrung

  2. 1993

    Codex Alimentarius

    Offizielle Methode von WHO und FAO

  3. 2004

    EU-Verordnung 852

    Pflicht für Lebensmittelbetriebe

  4. Heute

    Gastronomie

    Vom Imbiss bis Fine Dining

Ist HACCP Pflicht?

Für Lebensmittelunternehmen ist HACCP grundsätzlich verpflichtend — kein Ratschlag, sondern geltendes Recht. Und Pflicht heißt vor allem eines: dokumentieren.

Für den Prüfer gilt: „Nicht dokumentiert ist wie nicht gemacht.“

Wer ist betroffen?

Betriebsart HACCP-Pflicht
Restaurant, Café, Imbiss Ja
Foodtruck, Marktstand Ja
Catering, Hotelgastronomie Ja
Bäckerei, Metzgerei Ja
Kantine, Kita, Pflegeheim Ja

Grundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 852/2004, ergänzt durch LFGB und LMHV.

Was muss konkret umgesetzt werden?

1. Hygienemanagement / HACCP-Konzept

Gute Hygienepraxis, Gefahrenanalyse mit Kontrollpunkten und Rückverfolgbarkeit — zusammengeführt in einem lebenden Konzept, nicht in einem verstaubten Ordner. Einen schriftlichen Plan haben und diesen täglich einhalten. Und vorzeigen können.

2. Schulung des Personals

Mindestens eine Person sollte Hygiene-/HACCP-Kenntnisse nachweisen können. In Deutschland kommt die Belehrung nach § 43 IfSG dazu (Erstbelehrung Gesundheitsamt, Folgebelehrung im Betrieb).

3. Aufzeichnungen

Typisch: Temperaturprotokolle, Reinigungsnachweise, Wareneingang mit Temperatur, Korrekturmaßnahmen bei Abweichungen — mit Datum und wer es gemacht hat.

4. Rückverfolgbarkeit

Lieferant, Lieferdatum, Charge und MHD/Verbrauchsdatum nachvollziehbar halten — vom Lieferanten zum Teller und zurück.

Wie ihr das aufbaut, gibt euch niemand vor. Die Methode dahinter ist aber seit Jahrzehnten dieselbe — und besteht aus sieben Schritten.

Die 7 HACCP-Grundprinzipien

So hat der Codex Alimentarius die Methode festgelegt. Die sieben Schritte bauen aufeinander auf: Erst rausfinden, wo es problematisch werden könnte, dann festlegen, was gilt, dann prüfen — und am Ende festhalten, dass ihr es getan habt.

  1. 01Gefahren analysieren

    Jeden Schritt vom Wareneingang bis zum Service durchgehen. Beispiel Fleischlieferung: Kühlkette (biologisch) und Fremdkörper in der Verpackung (physikalisch).

  2. 02Kritische Kontrollpunkte (CCPs) bestimmen

    Typische CCPs in der Gastronomie: Temperatur bei der Warenannahme, Kerntemperatur beim Garen, Lagertemperatur im Kühlraum, schnelles Abkühlen nach dem Kochen.

  3. 03Grenzwerte festlegen

    Jeder CCP braucht eine messbare Schwelle, ab der ihr eingreift — Beispiele stehen in der Tabelle unten.

  4. 04Überwachung einrichten

    Festlegen, wer wie oft misst: Temperaturprotokolle, Sichtkontrollen, Wareneingangsprüfungen.

  5. 05Korrekturmaßnahmen festlegen

    Vorher klären, was passiert, wenn der Grenzwert reißt. Beispiel Kühlraum zu warm: betroffene Ware isolieren, Gerät prüfen, Vorfall dokumentieren.

  6. 06System überprüfen

    Thermometer kalibrieren, Aufzeichnungen stichprobenartig prüfen, Abläufe bei Menüwechsel anpassen.

  7. 07Dokumentieren

    Alles nachvollziehbar festhalten: Gefahrenanalyse, CCPs, Temperaturen, Korrekturmaßnahmen. Das ist der Punkt, den ein Prüfer zuerst sehen will — und der, an dem es im Betriebsalltag am häufigsten hängt.

Beispiel: kritische Grenzwerte

Orientierungswerte — euer HACCP-Konzept legt die verbindlichen Schwellen für den Betrieb fest.

CCP Kritischer Grenzwert
Annahme Frischfleisch ≤ 4 °C
Kerntemperatur Garen ≥ 63 °C (je nach Produkt höher)
Pluskühlraum 0 bis 3 °C (betriebsabhängig)
Tiefkühlung ≤ −18 °C
Schnelles Abkühlen z. B. von 63 °C auf 10 °C in unter 2 Stunden

HACCP ist einfach zu verstehen — und schwer konsequent umzusetzen

Theorie

Gefahr Kontrolle Maßnahme Dokumentation

Sauber, linear, nachvollziehbar — so steht es im Konzept.

Praxis

  • Liste Kühlung — wer hat eingetragen?
  • Ordner Reinigung 2024
  • Excel_final_v3.xlsx
  • Klemmbrett — Seite fehlt
  • „Hat das jemand gemacht?“

Das Problem ist nicht HACCP.
Das Problem ist, es im Alltag konsequent umzusetzen.

Die Aufgabe stellt der Staat — und formuliert sie oft unangenehm vage. Die Verantwortung für die Umsetzung bleibt beim Unternehmer. Und wer etwas falsch macht, haftet, obwohl viele Betreiber dafür nie ausreichend geschult wurden.

In der Praxis entscheidet deshalb weniger das Konzept im Regal als die Frage, wie leicht euch der Nachweis mitten im Betrieb von der Hand geht. Was genau nachgewiesen werden muss, steht im nächsten Abschnitt.

Was muss dokumentiert werden?

Welche Nachweise nötig sind, hängt vom Betrieb und eurem Konzept ab. Typisch sind diese Bereiche — jeweils mit wer, wann und welchem Ergebnis:

Dazu kommen oft Kerntemperatur, Korrekturmaßnahmen, Belehrungen und weitere betriebliche Nachweise.

Wenn die Kontrolle kommt

Unangekündigt. Ohne Termin. Was der Prüfer idealerweise vorfinden möchte:

  • Temperaturkontrollen (Kühlung / ggf. Kerntemperatur)
  • Reinigungsnachweise
  • Wareneingang und Rückverfolgbarkeit
  • Korrekturmaßnahmen bei Abweichungen
  • nachvollziehbare Dokumentation — wer, wann, was

Nicht: „Moment, ich muss mal schauen …“

Was droht bei Verstößen?

Situation Mögliche Folge
Fehlende Aufzeichnungen / Konzept Schriftliche Anordnung mit Nachbesserungsfrist
Temperaturverstöße Verwarnung, mögliches Bußgeld
Schwere Hygienemängel Vorübergehende Betriebsschließung
Wiederholung / Verbraucherrisiko Höhere Bußgelder, ggf. öffentliche Namensnennung

Keine Rechtsberatung — Einzelfall und Behörde entscheiden. Die Bereiche, die dabei erfahrungsgemäß zuerst geprüft werden, sind Kühlung, Wareneingang und Reinigung.

Und dann noch die öffentliche Liste

Nach § 40 Abs. 1a LFGB müssen Behörden die Öffentlichkeit unter bestimmten Voraussetzungen über Verstöße informieren — mit Betriebsnamen. Schon wenn ein Bußgeld von mindestens 350 Euro zu erwarten ist, kann die Veröffentlichung greifen.

In einigen Bundesländern führt das LGL solche Fälle öffentlich. Hier zum Beispiel Bayern: Veröffentlichungen nach § 40 Abs. 1a LFGB.

Häufige Fragen

Wofür steht die Abkürzung HACCP? +

HACCP steht für „Hazard Analysis and Critical Control Points“, auf Deutsch: Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte. Gemeint ist ein System, mit dem ein Betrieb Gefahren erkennt, sie an den entscheidenden Stellen im Ablauf beherrscht und diese Kontrolle nachweisbar dokumentiert.

Muss jeder Mitarbeiter eine HACCP-Schulung haben? +

Nicht zwingend jeder — meist reicht mindestens eine Person mit Nachweis. In der Praxis lohnt es sich, das ganze Team in den Grundlagen zu schulen, damit HACCP nicht an einer Person hängt.

HACCP oder Hygienekonzept — was ist der Unterschied? +

HACCP ist die Methode. Ein Hygienekonzept führt HACCP, Hygienepraxis und Rückverfolgbarkeit zusammen — HACCP ist ein Teil davon, nicht dasselbe.

Gilt die HACCP-Pflicht auch für Foodtrucks? +

Ja. Die EU-Verordnung (EG) Nr. 852/2004 gilt für alle Lebensmittelbetriebe — einschließlich Foodtrucks, Marktständen und ambulanter Anbieter. Die Pflichten entsprechen denen eines stationären Betriebs.

Reicht Papier oder Excel für die HACCP-Dokumentation? +

Ja, rechtlich kann Dokumentation auch auf Papier oder in Excel erfolgen. In der Praxis gehen Listen und Dateien im Schichtstress oft unter — dann fehlt der Nachweis bei der Kontrolle. Digital hilft vor allem dabei, dass die Dokumentation überhaupt konsequent stattfindet.

Wie hoch können Bußgelder bei Verstößen sein? +

Ermessen der Behörde. Ab einer erwarteten Bußgeldhöhe von 350 Euro kann zudem eine öffentliche Namensnennung nach § 40 Abs. 1a LFGB drohen.

Stefan Wild Fragen? Schreib an stefan@0815app.de

Genau dafür gibt es 0815.

HACCP wird dadurch nicht weniger wichtig. Die Dokumentation wird nur einfacher — gebaut aus 20 Jahren Gastronomie-Alltag, nicht aus dem Lehrbuch.

  • In der Schicht abhaken — mit Zeitstempel und Name, auch offline im Kühlraum.
  • Wenn der Prüfer fragt: Nachweis als PDF, ohne Ordner-Suche.
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0815 App: offene HACCP-Aufgaben am Standort

HACCP darf 0815 sein.

Die Regeln bleiben. Der Papierkram muss es nicht.

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